20170126

Roman mit Hund: ein Mops zum Verlieben

Der Yoga-Prinz: Eine Liebesgeschichte, in der auch ein Mops eine vierbeinige Hauptrolle spielt, von Louise Berben, die es meisterhaft versteht, große Gefühle in Worte zu packen. 




   

Leseprobe:

David konnte mit Hunden eigentlich nicht viel anfangen, und schon gar nicht mit Möpsen. Doch nachdem er in Christines Wohnung gezogen war, hatte der kleine Kerl mit seinem glatten, kurzen und weich-glänzenden Fell innerhalb kurzer Zeit sein Herz erobert.

  Willie zeigte viele Eigenschaften, die David an Christine im Lauf der Zeit immer stärker vermisste: Würde und Intelligenz, gepaart mit Charme, Ausgeglichenheit und einem fröhlichen Wesen. Und so hatte er auch nicht wirklich viel dagegen, auf Willie aufzupassen, an dem Christine, seit er der Welpenphase entwachsen war und seine Figur zunehmen kräftiger und quadratischer wurde, kaum mehr aufrichtiges Interesse zeigte. Ja, ihr Wunsch, David möge gemeinsam mit Willie losziehen, wurde regelrecht drängend. Vor allem dann, wenn David etwas mit seinen Kumpels unternehmen wollte, bat sie ihn fast flehentlich, doch bitte den Hund mitzunehmen, scheinbar hatte sie vergessen, dass sie ihn Willie genannt hatte.

  Also wurden David und Willie immer öfter ein Team. Anfangs sorgte der kleine Hund in Davids Freundeskreis für so manche hämische Bemerkung. Etwa wenn Willies kurze Nase wieder mal lustige Töne von sich gab, was regelmäßig passierte, wenn er sich aufregte oder über etwas freute. Aber schon bald hatten alle das kleine beigefarbene Muskelpaket ins Herz geschlossen, das beständig gute Laune verbreitete und durch seine Freundlichkeit selbst eingefleischten Hundehassern ein Lächeln entlockte. Die Witze hörten auf, und nach kurzer Zeit gewöhnten sich alle an das ungleiche Paar: an den kleinen Hund, der es gerade mal auf eine Schulterhöhe von 30 Zentimetern brachte und sein mehr als sechs Mal so großes Herrchen, das so gar nicht dem Bild eines Schoßhund-Besitzers entsprach.

  David kümmerte sich sogar um einen internationalen Impfpass und um ein Gesundheitszeugnis für Willie. So konnte er ihn mitnehmen, wenn er mit seinem Truck wieder auf Tour ging, was allerdings zunehmend seltener geschah, seit er mehr Verantwortung im Betrieb übernommen hatte. Willie genoss die Fahrten mit seinem Herrchen ungemein und auch David machte es Spaß, gemeinsam seinem Mops auf Tour zu gehen.

  Christine hatte nichts gegen die gemeinsamen Fahrten der beiden und fand bald tausend Gründe dafür, warum sie gerade dann keine Zeit für Willie hatte, wenn David wieder mal losziehen wollte.

  Eines Tages entdeckte David die Ursache dieses Interesses. Es geschah, als er den Sitz des neuen Halsbandes kontrollierte, das Christine vor einigen Wochen gekauft hatte und das ihm angesichts des kleinen Speckkragens, den sich Willie in letzter Zeit angefuttert hatte, etwas knapp erschien. Dabei fiel sein Blick auf ein kleines Plastikteil, das er bislang nicht bemerkt hatte und das sich bei genauerer Betrachtung als ein geschickt in das Halsband integrierter GPS-Sender entpuppte. Sein schrecklicher Verdacht bestätigte sich, als er auf Christines Laptop herumstöberte und die entsprechende Tracking-Software fand. David wusste, was man damit anstellen konnte. Schließlich war die Sicherung und Ortung von LKW mittels GPS etwas, von dem er dank seines Jobs einiges verstand. Und er verstand auch, dass Christine nicht deshalb so sorgfältig Willies Aufenthaltsort im Auge behielt, weil sie sich um sein Wohlergehen sorgte, oder weil sie befürchtete, er könnte weglaufen. Nein, das Überwachungsteil hatte nur einen einzigen Sinn: Sobald Willie sich dort befand, wo sein Herrchen gerade war, was in letzter Zeit immer öfter geschah, wusste Christine sozusagen auf Knopfdruck, wo sich David aufhielt. Ein in ihren Augen vermutlich perfektes System der Kontrolle... (weiterlesen)