20170126

Liebesroman mit Happy End

Der Yoga-Prinz: Eine Liebesgeschichte vom Feinsten von Louise Berben, die es meisterhaft versteht, große Gefühle in Worte zu packen. 




Leseprobe: 

Wann immer die Liebe in Selmas Leben trat, tat sie es sachte und auf leisen Sohlen.

 »In der Zeit, die du brauchst, um dich in einen Kerl zu verlieben und endlich Sex mit ihm zu haben, haben andere Frauen schon den ersten Ehekrach hinter sich«, hatte ihre Schwester Isabell einmal spöttisch gemeint.

  Selma verstand das nicht. Sich Hals über Kopf in jemanden verlieben, war etwas, was unreife Teenager taten. Wie sollte man sich in jemanden verlieben, den man nicht richtig kannte? Sie brauchte Zeit. Zeit, um Dinge, an einem Menschen zu entdecken, die sie wirklich mochte. Das konnte ein Charakterzug sein, oder etwas ganz Banales, wie etwa die Geste, mit der ein Mann ein Taxi heranwinkte.

  Sobald sich eine ausreichende Anzahl dieser Dinge angesammelt hatten und sie wirklich bereit für eine neue Beziehung war, wechselte ihr Gefühlslage ganz sachte und unspektakulär von Sympathie und Zuneigung in ein wohltemperiertes Gefühl der Verliebtheit.

  Dabei fand sie Romantik schön. Ein richtig kitschiger Liebesfilm, in dem Held und Heldin von der ersten Sekunde an füreinander bestimmt zu sein schienen, konnte sie zu Tränen rühren. Doch im Grunde ihres Herzens hielt sie Liebe auf den ersten Blick für nichts anderes als ein Märchen. Etwas, das Romanschriftsteller ersannen, das aber zumindest mit ihrer Wirklichkeit nicht das Geringste zu tun hatte.

  Daher war das, was gestern passiert war, etwas absolut Unerwartetes, Unvorhergesehenes. Etwas, das Selma im innersten Kern ihres Wesens so stark berührt hatte, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine Ahnung davon bekam, dass es so etwas wie Liebe auf den ersten Blick vielleicht doch gab.