20160217

Wallander-Krimi: Die falsche Fährte

Henning Mankell: "Die falsche Fährte"
Zsolnay, 480 Seiten.

Henning Mankell schreibt einfach und schnörkellos. In seinen Roman finden sich keine tiefschürfende Charakterstudien und keine ellenlangen Schachtelsätze. Und doch sind seine Romanfiguren fast so etwas wie lebendige Wesen, deren Schicksal den Leser von der ersten Minute an gefangennimmt. In seinem jüngsten Kriminalroman ist Mankells erfolgreicher Kriminalkommissar Kurt Wallander einem besonders mysteriösen Fall auf der Spur. Ein ehemaliger Justizminister, ein anrüchiger Kunsthändler, ein Finanzhai und ein gewalttätiger Kleinkrimineller werden ermordet. Wallander glaubt, dass zwischen ihrem Tod und der Selbstverbrennung einer jungen Frau aus der Dominikanischen Republik ein Zusammenhang besteht. Noch ahnt er nicht, dass das „Drehbuch“ des Ritualmörders auch für ihn selbst eine Rolle vorgesehen hat.

Bis zur Auflösung des Falles lockt Mankell seine Leser mit jeder Menge falscher Fährten in die Irre: Das Mitleid mit den Ermordeten hält sich dabei nicht nur bei Wallander, sondern auch beim Leser in Grenzen. Die wahren Opfer - das wird bald klar - sind junge Frauen. „Konnte man noch Probleme lösen, ohne zu Gewalt zu greifen?“ fragt sich Wallander am Ende des Romans resigniert. Für Mankell sind die Wallander-Krimis so etwas wie ein Gradmesser für den Zustand unserer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, deren Entwicklung ihm offenbar Angst macht...

Wallander Krimi