20160218

Liaty Pisani: "Der Spion und der Bankier"


Odgen hat das Spionage-Handwerk an den Nagel gehängt. Nicht etwa deshalb, weil ihm und seinen Kollegen von einer privat organisierten Spionageorganisation nach dem Ende des Kalten Krieges die Arbeit ausgegangen wäre. Ganz im Gegenteil: Brisante Informationen, diskret und verlässlich geliefert, sind Regierungen auf der ganzen Welt immer noch eine Menge Geld wert. Odgen hat private Gründe für seinen Ausstieg. Weil man als Spion aber nicht so einfach in Pension gehen kann, muss der erfolgreiche Agent nicht ganz freiwillig noch einmal einen Fall übernehmen, der sich als überaus brisant entpuppt. Ein Schweizer Bankier und seine Ehefrau wurden ermordet. Odgen versucht das Leben ihres 19jährigen Sohnes Willy zu retten. Willy weiß über die dubiosen Geschäfte des Bankhauses mit jüdischem Vermögen aus den 40er Jahren Bescheid. Sein Wissen bedroht auch anderen Banken, die mit dem von den Nazis geraubtem Geld jahrzehntelang gute Geschäfte machen konnten. Odgen verfolgt Willys Spur von Zürich nach Mailand und Südfrankreich, wo der Bankierssohn bei einem religiösen Orden Unterschlupf gefunden hat. Nach über vierhundert, mitunter etwas langatmigen Romanseiten wird das Rätsel rund um die Ermordung von Willys Eltern und das verschollene jüdische Vermögen schließlich gelöst. Die sympathisch gezeichnete Figur des Odgen rettet dabei über so manche Passage, bei der man trotz aller Bemühungen der Autorin um eine spannende Thriller-Atmosphäre zu gähnen beginnt.


 Diogenes, 433 Seiten.

 Thriller Spionageroman