20160219

Marinierte Wachtelbeinchen und Spanferkel in Honigkruste

Er kocht leidenschaftlich gerne und unglaublich gut - der namenlose Held in Veljko Barbieris Buch "Epitaph eines königlichen Feinschmeckers". Doch marinierte Wachtelbeinchen oder Spanferkel in Honigkruste sind dem totalitären Regime ein Dorn im Auge. Dieser Hedonismus ist in den Augen der Staatsschützer gefährlich, abweichlerisch, systemkritisch.
Und das geht schon gar nicht.

So nimmt das Unglück seinen Lauf und der Roman kafkaeske Züge an.
Trost in der ausweglosen Situation findet unser Held in der Bekanntschaft mit dem römischen Feinschmecker Gabius Apicius, der der Nachwelt mit seiner "Ars Coquinaria Romae Augustae" ein Kochbuch vom Feinsten hinterlassen hat. Auch schon Apicius war der Staatsgewalt suspekt, und als es für ihn die Repressalien unerträglich wurden, stellte er ein Rezept mit gefährlichen Leckerbissen zusammen, das er Epitaph nannte und das ihm einen genussvollen Übergang in eine andere Welt ermöglichte.

Von Gabius Apicius solcherart getröstet, macht sich unser Held an sein eigenes Epitaph.
"Gib dann gewürzet mit Lorbeerblättern und lieblichem Honig, dem Braten vom Schweine hinzu das erlösende Gift in die Pfanne.
Setz dich zu Tische und danke mit leisen und traurigen Liedern Mutter Natur und der Sonne, die alle Gemüse uns schenken.
Speise gemächlich und koste das bittersüße Aroma.
Denk dabei all der schönen Dinge im Leben, dem kurzen.
Morchel und Lorchel lassen dich frösteln und lähmen das Herz dir, und in die himmlischen Gefilde entührt dich die Bitterdistel.
Spanferkel, Kräuter und Pilze singen im Chore dein Requiem, aber Aurora, die Göttliche, wird sanft dir das Antlitz streicheln."

Dieser Roman ist eine faszinierende Parabel über Auflehnung und Widerstand gegen Unverstand und Dummheit in totalitären Regimen.
Und es bringt neben dem literarischen Genuss eine Reihe von köstlichen Rezepten, die einem beim Lesen genussvoll das Wasser im Mund zusammen laufen lassen:
Pullus elixus ex iure suo - Huhn im eigenen Saft gesotten
"Reibe den Pfeffer, den Lorbeer, das Minzblatt
und auch den Thymian.
Dass es den Gästen recht munde, tu Datteln
und Honig daran.
Schließlich Essig und Brühe, ein Tröpfchen
vom Wein und vom Öle, damit begieße das Huhn.
Doch dass es an Kümmel nicht fehle!"

Veljko Barbieri
Epitaph eines königlichen Feinschmeckers
120 Seiten, wtb 002, EUR 9,95, ISBN: 978-3-9902910-0-9

Veljko Barbieri: 1959 in Split geboren, Reifeprüfung und Universitätsabschluss in Zagreb, verfasste vierzehn Prosabücher. Ist in vielen heimischen und ausländischen Anthologien vertreten. Sein bekanntester Roman, Epitaph eines königlichen Feinschmeckers, in welchem die Gastronomie der Ausgangspunkt des Kampfes gegen die autoritäre Herrschaft ist, gilt als eines der meistverkauften Bücher der Neuzeit in Kroatien. Barbieri schreibt regelmäßig gastronomische Rubriken in Zeitschriften und kulinarische Beiträge für das kroatische Fernsehen.

 Marinierte Wachtelbeinchen und Spanferkel in Honigkruste