20160219

Einer der besten Romane über Alzheimer

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihnen keiner mehr glaubt?  Und Sie nicht mehr sicher sind, ob Sie sich selbst noch glauben können?

Viel wird über Alzheimer geredet und geschrieben, über den Umgang mit PatientInnen und den pflegenden Angehörigen, und meist bleibt es eben Theorie. Und dann kommt die erst 28-jährige Engländerin Emma Healey und schreibt einen grandiosen Roman aus der Sicht der alternden Maud, einer Alzheimer-Patientin:

Maud Horsham vermisst ihre Freundin Elizabeth und will sich mit deren Verschwinden nicht abfinden. Genauso wie sie sich immer öfter an ihre Schwester Sukey erinnert, die kurz nach dem Krieg ebenfalls spurlos verschwunden ist. Maud strapaziert die Nerven ihrer Pflegerinnen genau so wie die ihrer Töchter, lässt gute Ratschläge und Verbote wie ein verstocktes Kind an sich abprallen und versucht, mit vielen Erinnerungsnotizen ihren Alltag selbst im Griff zu behalten. Man mag Maud mit ihrer unbeirrbaren Schrulligkeit, die uns gesunden Menschen mit ihren treffenden Beobachtungen einen Spiegel vor Augen hält. Und plötzlich sehen wir die Welt mit den Augen einer Frau, der die Realität immer mehr abhanden kommt, deren Gedanken zwischen näherer und weiterer Vergangenheit pendeln, für die die Gegenwart ein schier unüberwindliches Hindernis wird.

Dieser Roman ist nicht nur spannend geschrieben, er nimmt uns auf liebevolle Weise mit in eine Welt, in die sich viele ältere Menschen eines Tages zurückziehen. Das Buch lässt uns vieles verstehen und lässt uns ebenso nachdenklich zurück.

Elizabeth wird vermisst
Roman, übersetzt von Rainer Schumacher
Paperback, 348 Seiten, ISBN: 978-3-7857-6110-6, € 14,99
Emma Healey

Emma Healey
wuchs in London auf. Nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Buchbinderin. Doch als ihr die Buchherstellung nicht mehr ausreichte, legte sie 2011 noch einen Master in Kreativem Schreiben an der University of East Anglia ab. Elizabeth wird vermisst ist ihr erster Roman, den sie mit gerade mal 28 Jahren vorgelegt hat.

gutes Buch über Alzheimer