20160217

Erich Kästner: eine wenig harmonische Kindheit

Die Bücher des 1974 verstorbenen Autors wirken noch immer erstaunlich aktuell. Vor allem Kästners Kindergeschichten haben in den Jahrzehnten, die seit ihrem Entstehen vergangen sind, nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt: „Pünktchen und Anton“, „Emil und die Detektive“ oder „Das fliegende Klassenzimmer“ machen heute noch genauso viel Spaß wie vor 60 Jahren. 

Erich Kästner wusste, was in einer Kinderseele vorgeht und nahm die Leser seiner Kinderbücher immer so ernst wie Erwachsene. Die wiederum behandelte er in seinen Essays und Artikel mitunter so, als wären sie noch Kinder!

Dass es mitunter ganz schön schwer sein kann, ein Kind zu sein, hat der Autor am eigenen Leib erfahren. In seinem Dresdner Elternhaus ging es alles andere als harmonisch zu: Die Ehe seiner Eltern - sein Vater war Fabriksarbeiter - verlief nicht besonders glücklich. Dazu kam noch die finanzielle Misere. Seine Mutter opfert sich ganz für ihren Sohn Erich und seine Ausbildung auf. Das besonders enge Verhältnis zwischen ihr und dem dankbaren Sohn taucht auch in Kästners Kinderbüchern immer wieder auf: Zu zeigen, dass man ein „Musterschüler“ und braver Sohn und gleichzeitig ein „doller Bengel“ sein kann, war offensichtlich ein besonderes Anliegen des weltberühmten Autors.

Mit Pünktchen, Anton und Emil schuf Kästner Ende der 20er Jahre einen neuen Kindertyp: Zum ersten Mal erwiesen sich Kinder in der Literatur als selbstbewusst, klug, vernünftig und furchtlos. Kästner machte Schluss mit dem Ideal des gehorsamen, braven Kindes aus der Literatur des 19. Jahrhunderts. Seine Kinder sind alles andere als Marionetten, die an den Fäden der Erwachsenen tanzen. Diese Eigenständigkeit und für der Mut, mit dem sie jeder Kindergeschichte ein Happy End bescheren, machen sie heute genauso liebenswert wie vor 70 Jahren.


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