20160217

Nach was es Schwangeren so gelüstet ...

Eine junge Frau wird schwanger. Der Vater des Kindes, ein Feuerschlucker, verschwindet ziemlich bald aus ihrem Leben. Sie bleibt allein in Paris zurück und verbringt einen glühend heißen Sommer mit dem Aufspüren wohlschmeckender Käsesorten. Anne Boylen gelüstete es in der Schwangerschaft angeblich nach Lerchenzungen, Maria Stuart gar nach den Geschlechtsteilen von Schwänen. Die junge Pariser Schwangere erhoffte sich Austern, ihr Körper will aber lieber Käse. Jedes Kapitel des Buches ist einer bestimmten Käsesorte gewidmet: dem prallen und leicht geschmeidigem Brie, dem milden und cremigen Beaumont, dem pappigen Schmelzkäse, dem aromatischen Parmigiano Reggiano, dem seidigen, leicht süßlichen Emmentaler, dem pikanten Roquefort und dem norwegischem Käse Gammelost mit seinem intensivem Geschmack nach Wacholder. Die Schwangere bringt den Käse wie eine Beute nach Hause, verschlingt ihn dort gierig und schläft anschließend ein. Die dem Käsegenuß folgenden erotischen Träume der Heldin brachten der Autorin den Vergleich mit Anaïs Nin und Henry Miller ein. Angela Jacobs Sprache ist tatsächlich sehr unverblümt, bildhaft und ausdrucksstark, auch wenn ihre Dialoge rund um die Qualität und den Reifungsgrad verschiedener Käsesorten mitunter etwas ermüden!

Angela Jacob
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Verlag Deuticke, 127 Seiten.


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