20160217

Radek Knapps spöttischer Blick auf das goldene Wienerherz

Radek Knapp
Herrn Kukas Empfehlungen
Piper, 251 Seiten.

Waldemar bricht in den goldenen Westen auf: Ein mit geschmuggelten Krakauerwürsten und Zigaretten vollgestopfter Reisebus bringt den jungen Polen nach Wien. 30 Thunfischdosen und ein paar hundert Schilling - der halbe Monatslohn seines Vaters - sind alles, was Waldemar zum Überleben aus Polen mitnehmen kann. Oder sagen wir einmal - fast alles! Denn da gibt es ja noch Herrn Kukas Empfehlungen: H Herr Kukas kennt Wien von früheren lehrreichen Exkursionen und gibt seinem Nachbarn ein paar wirklich wertvollen Tipps mit auf die Reise. Aber auch Herr Kukas Empfehlungen können nicht verhindern, dass Waldemar am Anfang so ziemlich alles falsch macht, was ein Neuankömmling aus dem Osten nur falsch machen kann: Er begibt sich mit den falschen Schuhen auf Arbeitssuche, lässt sich von Gaunern sein letztes Geld abknöpfen und wird in seiner Verzweiflung beinahe als Ladendieb überführt. Doch hinter allem Unheil, das dem Unglücksraben zustößt, steckt immer auch eine Portion Glück. Und so findet Waldemar nicht nur einen Job und eine Wohnung, sondern auch zwei treue Freunde und schließlich sogar die Frau seiner Träume.

Der Blick des gebürtigen Polen Radek auf das „Riesemuseum“ Wien ist amüsant und voll heiterem Spott. Radeks „goldenes Wienerherz“ leugnet nur zu gerne die nahe Verwandtschaft mit dem Osten. Auch Waldemars Vermieterin, bei ihr gibt es ein Stockbett inklusive Kronleuchter zum Okkasionspreis von dazumal nur 2.000 Schilling, interessiert sich weniger für Ahnenforschung als für die FPÖ: Frau Simacek ist der Prototyp des fein säuberlich zwischen „guten“ und „bösen“ Ausländern unterscheidenden Österreichers.

Radek Knapp lebt bereits seit über 20 Jahren in Wien. Der Blick, den sein Romanhelden Waldemar auf den glücksverheißenden Westen wirft, ist aber noch genauso unbefangen, als hätte sein Schöpfer erst gestern zum ersten Mal die Grenze überschritten.


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