20160218

Buch über Bücher

Alberto Manguel
Im Spiegelreich
Volk & Welt, 360 Seiten.

 Das kunst- und phantasievoll gestaltete Cover lockt zum Eintritt in Manguels „Spiegelreich“, einer bunten Mischung von klugen und geistreichen Bemerkungen über die verschiedensten Themen: Über die Identitätsfindung im Judentum, über die Entwicklung der sogenannten „schwulen Literatur“, über den Tod Che Guevaras oder über die Schwierigkeiten des Übersetzens. Einer der Essays widmet sich seiner bereits in der „Geschichte des Lesens“ zur Sprache kommenden Beziehung zu dem fast erblindeten Jorge Luis Borges, dem er als Junge in Buenos Aires zwei Jahre lang täglich vorlas. Der rote Faden, der das gesamte Werk durchzieht, sind Zitate aus und Reflexionen über ein Buch, das Manguel seit seiner Kindheit tief beeindruckt. „Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln“ sind für den Autor bis heute eine Quelle von stets neuen und überraschenden Einsichten.

Ein Buchtipp aus Kanada


„Das Spiegelreich“ ist wie schon Manguels erstes Buch so etwas wie eine Liebeserklärung an das Lesen. Der kanadische Autor, der fünf Sprachen spricht, noch einige mehr zu übersetzen versteht und in der Literaturwelt aller Kontinente zu Hause ist, liebt Bücher und er versteht es auch, diese Liebe seinen Lesern mitzuteilen. Seine Essays machen Lust aufs Schmökern und verlängern unweigerlich die Liste jener Bücher, die man gerne lesen oder wieder einmal lesen möchte. Denn in Manguels Bücherwelt erscheint auch Altbekanntes mitunter in einem neuen, aufregenden Licht. Der Autor, der sich nicht um irgendwelche „Lehrmeinungen“ kümmert, sieht das Gemeinsame und Verbindende in der Literatur. Er erkennt aber auch, auf welch tönernen Füßen literarische Kategorien oft stehen und wie selten sie den vielfältigen Facetten eines Buches wirklich gerecht werden (Manguel kennt dieses Problem aus eigener Erfahrung: Er denkt sich fast täglich neue Klassifizierungs- und Ordnungsschemata für seine Privatbibliothek aus).

Auch für sein eigenes Buch passt in keine literarische Schublade: Sein „Spiegelreich“ ist intelligent und unterhaltsam, kurzweilig zu lesen und voll von Überraschungen.

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