20160217

„Liebeswahn“ von Ian McEwan

Diogenes, 212 Seiten.

Was ist Moral? Und wie geht der einzelne damit um, wenn das Ego und die Lehre vom richtigen Handeln miteinander im Wettstreit liegen? Diese Frage stellt sich für Ian McEwans Helden, die in eine Situation geraten, in der ihre moralische Integrität auf die Probe gestellt wird. Der Komponist Clive verweigert einer in Not geratenen Frau seine Hilfe, um sich statt dessen der Inspiration zu einer Melodie für seine Sinfonie zu widmen. Sein Freund Vernon entschließt sich unter dem Deckmäntelchen der sozialen Gerechtigkeit kompromittierende Fotos, die die sexuellen Vorlieben eines rechtslastigen Politikers dokumentieren, zu veröffentlichen. Beide Helden können aber nicht wirklich von ihren moralischen Ausrutschern profitieren: Vernon erleidet ebenso Schiffbruch wie Clive.

Was will uns der Autor mit dieser Geschichte eigentlich sagen? Dass Menschen, die unmoralisch handeln, schon irgendwie ihre Strafe erhalten? Keine Ahnung! Vernon und Clive, zwei ziemlich starr wirkende und grob gestrickte Figuren, helfen uns bei der Beantwortung dieser Fragen jedenfalls nicht weiter.

Nach seinem beeindruckenden „Liebeswahn“ ist Ian McEwan Buch eine ziemliche Enttäuschung. Lediglich jene Passagen, die das Entstehen von Clives Sinfonie beschreiben, zeigen McEwans beeindruckendes Erzähltalent.


 Buch Komponist