20160217

Finbars Hotel

Sieben hochkarätige irische Autoren schreiben gemeinsam an einem Buch: Jeder erzählt ein Kapitel. Wer für welchen Teil verantwortlich ist, überlassen die Sieben den Spekulationen der Leser. Worum geht es in ihrer Geschichte? Finbars Hotel nahe dem Dubliner Bahnhof ist eine Herberge, die schon bessere Tage gesehen hat: Auch die Bewohner des alten Kastens sind nicht mehr ganz taufrisch. Joseph O´Connor, Anne Enright, Colm Tóibín, Roddy Doyle, Jennifer Johnston und Hugo Hamilton berichten von sieben Schicksalen, die in den abgewohnten Zimmern ihren Lauf nehmen. Da gibt es zum Beispiel den Ehemann Ben, der seinem langweilig-freudlosen Leben für ein paar Stunden entfliehen möchte und dessen ungeschickte Versuche, eine Frau aufzureißen in einer Schlägerei enden. Im Nachbarzimmer lassen die Schwestern Rose und Ivy die schlechten alten Zeiten noch einmal Revue passieren. Auch in Nummer 104 ist die Vergangenheit zu Gast. Hier hat sich - sehr zum Missvergnügen des Geschäftsführers - ein Nachkomme des ehemaligen Hotelbesitzers einquartiert. In Nummer 103 geht es um aktuelle Probleme: Brogan rächt sich für den Rausschmiss bei seiner Freundin mit der Entführung ihrer Katze. Tiere sind im Hotel nicht erlaubt und so macht sich das Hotelpersonal über die seltsamen Essgewohnheiten Brogans (Fisch ohne Beilagen) so seine Gedanken.

Sieben Autoren, die bei der Gestaltung ihrer Charaktere freie Hand hatten. Und doch gleichen sich ihre Romanfiguren in vieler Hinsicht. Das abgetakelte Hotel, das seinen Glanz vor vielen Jahren verloren hat, hat alle Sieben zu einem ziemlich übereinstimmenden Menschenbild inspiriert. Nur drei dieser traurigen Schicksale werden mit Witz und Humor angereichert - der Rest wirkt so trübselig wie das ganze Hotel. Eigentlich erstaunlich diese Übereinstimmung! Ein bisschen mehr Individualität und Phantasie hätte man von dieser hochkarätigen Autorentruppe eigentlich schon erwarten können... Leider kein Buchtipp!

Verlag Krüger, 336 Seiten.


 Buch irischer Autor