20140123

Was ist denn nun wirklich Kunst?

Künstlerinnen und Künstler nehmen Dinge voraus, schreibt Jean-Christophe Ammann im Vorwort zu seinem neuen Buch, die oft viel später Teil einer allgemeinen Erkenntnis werden. So hat zum Beispiel das Ende der historischen Avantgarden, Mitte der 1970er Jahre, 15 Jahre früher stattgefunden als der Zusammenbruch von Ideologien, Hegemonien und Utopien - sowohl in der Politik als auch in der Physik ...
So wie es einst in der Kunst eine allgemeine Richtung gab - das Neue in Generationenschritten von zehn Jahren -, so besteht die allgemeine Richtung heute in einem Radius von 360 Grad. Dass in einem solchen Umfeld der "algorithmisch" vorausahnende Künstler sehr viel schwerer zu eruieren ist, versteht sich von selbst. Ich glaube aber, dass der Sinnlichkeit erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken ist gemäß dem Motto: "Es gibt nichts zu erfinden, aber vieles zu entdecken."

Der Mensch will heute über die Kunst nicht mehr belehrt werden. Er will auch keine "interessante" Informationsverarbeitung.
Er will sich an das, was er gesehen hat, erinnern.
Erinnern meint hier etwas, was in die Sinne sickert, sich zu einem Bild verdichtet.
Ein Bild, das in der Lage ist, ihn auf dem Weg zu begleiten.

"Kunst? Ja, Kunst!" ist der Titel des neuen Buchs von Jean-Christophe Ammann mit Beiträgen u.a. über Elfie Semotan, Dennis Hopper, Jessica Backhaus, Franz Gertsch, Cornelia Schleime, Laura Baginski,
Pina Bausch, Joseph Beuys, Lars von Trier, Pierre Paolo Pasolini u. v. m.

Jean-Christophe Ammann
Kunst? JA, Kunst! - Die Sehnsucht der Bilder
324 Seiten, Klappenbroschur,
EUR 25,70
ISBN: 978-3-86489-063-5

Jean-Christophe Ammann

ist Schweizer Kunsthistoriker und Kurator sowie ein international gefragter Kunstkenner und Professor.
Er war von 1989 bis 2002 Direktor des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt am Main und leitete zuvor von 1968 bis 1971 das Kunstmuseum Luzern sowie die Kunsthalle Basel von 1978 bis 1988. Im Jahr 1971 war er Schweizer Kommissar für die Biennale in Paris und ebenso 1995 Kommissar für den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig. Die documenta 5 wurde 1972 in Kassel von ihm mitorganisiert. Seit 1999 ist er Professor an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, lehrte auch bereits in Gießen. Zahlreiche Auszeichnungen, vielfältige kuratorische Tätigkeiten und Publikationen darf er sein Eigen nennen. Als gefragter Kunstkenner ist Ammann seit 1991 von der Deutschen Börse mit dem Aufbau einer Sammlung von künstlerischen Fotografien beauftragt. Zudem gehört er dem Beirat der Kunstsammlung des Schweizer Bankhauses UBS an.