20121029

Patrick Tschan: "Polarrot" - ein Buchtipp der Extraklasse

Jacques Breiter ist nicht unbedingt das, was man einen netten Zeitgenossen nennt. Die sozialen Verhältnisse, aus denen der Held entstammt, sind schwierig. Toggenburg in der Schweiz ist eine Region, in der es die Menschen nicht leicht haben. Doch Breiter kämpft sich nach oben in der Schweiz der Zwischenkriegszeit und in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Das minunter unangenehme Naturell, das er dazu benötigt, steht allerdings nicht im Zentrum von Patrick Tschans Roman. Vielmehr geht es um die Geschichte eines Landes, das sich mit nicht immer einwandfreien Methoden aus den Greueln es Krieges heraushält. Der Preis dafür ist mitunter hoch und wird von den verfolgten Menschen des Naziregimes bezahlt. Auch Breiter wird bezahlt: von jüdischen Flüchtlingen, die er für Geld über die Grenze ins Land schmuggelt. Was ihn antreibt, ist nicht Moral oder das Empfinden menschlichen Leids sondern schlicht und einfach ein wirtschaftliches Kalkül. Tschan zeichnet seinen Helden aber nicht einfach als Monstrum, sondern als sehr realistisches Abbild seiner Zeit. Als jemanden, der es sich gerichtet hat, der unmoralisch handelt und den man sich durchaus auch heute als einer der vielen Profiteure von Flüchtlingsströmen vorstellen kann. Ein Mensch, der das Böse nicht aktiv herbeiführt, der aber keine Skrupel hat, davon zu profitieren und der so sein Scherflein zum großen Unglück beiträgt.

Patrick Tschan
Polarrot
Verlag Braunmüller, Wien 2012
345 Seiten

Quelle: buchtipps-Redaktion

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