20120720

Benoite Groult "Leben heißt frei sein"

„Die Gitter wachsen nach“, meint Benoite Groult. Mit den Gittern meint sie jene gesellschaftlichen Zwänge, die aus ihr immer wieder eine „vollkommene“ Gattin, Hausfrau und Mutter machen wollten. Von diesen Zwangskorsetts hat sich die Autorin im Laufe ihres Lebens konsequent befreit. Die Geschichte dieser Selbstwerdung erzählt ihr autobiografischer Roman „Leben heißt frei sein“. In einer Mischung aus Selbstreflexion, Gesprächen und feministischen Essays berichtet Grould über ihrer Jugendtage in Paris, über das Verhältnis zu ihren unkonventionellen Eltern und der geliebten Schwester Flora. Sie erzählt von ihrer ersten Ehe, von ihrer Scham, „nur“ Töchter zu gebären und ihrer allmählichen Emanzipation und dem Wunsch, Schriftstellerin zu werden.

Benoite Grould zeichnet ein faszinierendes Bild Frankreichs in der Zwischen- und Nachkriegszeit. Immer wieder tauchen Elemente aus ihren stark autobiografisch gefärbten Romanen auf. So entpuppt sich etwa ein US-amerikanischer Besatzungssoldat, den Grould kurz nach dem Krieg in Paris kennenlernt, als Vorlage für den bretonischen Hochseefischer in „Salz auf unserer Haut“. Benoite Grould, sie ist heute 78 Jahre alt, zeigt in ihrem Lebensbericht große Ehrlichkeit und Weisheit. Ironie und Witz kommen ebenfalls nicht zu kurz und sorgen dafür, daß man auch diesen Roman der großen französischen Erzählerin nur ungern wieder aus der Hand legt.

Benoite Groult
Leben heißt frei sein
Verlag Droemer, 378 Seiten.

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