20120621

Thomas Trenkler: Der Fall Rothschild

Im Herbst 1939 fielen Münzen, Medaillen, Möbelstücke, Teppiche, antike Waffen, Uhren, Vasen, Leuchter und vor allem Gemälde aus dem Eigentum von Alphonse und Louis Rothschild in die Hände der Nationalsozialisten. Schon kurze Zeit später begann ein reges Feilschen unter den österreichischen Landes- und Staatsmuseen. Auch jene Einrichtungen, die bislang großzügig von den Rothschilds unterstützt wurden, beteiligten sich mit unverhohlener Gier an der Aufteilung der Beute. Entsprechend widerwillig wurden die wertvollen Schätze nach dem Zweiten Weltkrieg an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben. Die im Feilschen geübten Kustoden und Museumsdirektoren zwangen auf Grundlage des Ausfuhrgesetzes die emigrierte Familie zu zahlreichen „Widmungen“. Erst im vergangenen Jahr wurde medienwirksam die vollständige Rückgabe der Kunstwerke an die Rothschilds in die Wege geleitet.

Thomas Trenkler zeichnet diesen für viele andere Fälle exemplarischen Kunstraub penibel nach: Er nennt Quellen, verlässt sich nicht auf Spekulationen und macht damit sein Buch zu einem glaubwürdigen und für den österreichischen Staat beschämenden Dokument. Leider kommen die Betroffenen - abgesehen von einem kurzen Vorwort von Bettina Looram Rothschild - kaum zu Wort. Was der Kunstraub etwa wirtschaftlich für die Familie bedeutete, lässt sich nur anhand einer kurzen Passage aus diesem Vorwort erahnen: „Meine Mutter Clarice und mein Onkel Louis mussten den Widmungen zustimmen. Denn wir waren, auch wenn der Name Rothschild anderes vermuten lässt, völlig pleite.“

Thomas Trenkler
Der Fall Rothschild
Molden, 149 Seiten.


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