20120621

Sándor Márai: "Die Glut"

Sándor Márais „Glut“ gehört zu den Erzählungen, die nicht altern, die zeitlos wirken, auch wenn sie eine bestimmte, längst vergangene Epoche widerspiegeln. Das vor einem halben Jahrhundert erstmals erschienene Meisterwerk berichtet von einem zweifach Betrogenen, der die Vergangenheit noch einmal zum Leben erweckt. Der General, er ist die zentrale Figur und über weite Strecken auch Erzähler der Geschichte, trifft nach über 40 Jahren seinen Jugendfreund Konrád wieder. Schauplatz des Geschehens ist ein ungarisches Jagdschloss, in dem der General mit seiner Frau Krisztina und Konrád einst glücklich war. Ein letztes Abendessen, ein letztes Gespräch mit dem Freund sollen Licht in jene Ereignisse bringen, die vor mehreren Jahrzehnten das Leben des Schlossherrn zerstörten: Wollte Konrád ihn bei diesen Jagdausflug vor mehr 41 Jahren wirklich töten, um mit Krisztina ein neues Leben zu beginnen? Der fast durchgängige Monolog rollt Dinge auf, die längst vergangen und doch noch immer fest in den Köpfen und Herzen der beiden alten Männer verwurzelt sind.

Die Spannung lebt bis zum Schluss des Buches. Immer wieder zeigt uns der bereits verstorbene Exilungar Márai neue Facetten der Persönlichkeit des Generals. In seinem Leben spiegelt sich die vielschichtige K.u.K.-Monarchie und ihr Zerfall wider. „Die Glut“ zählt zu jenen Büchern, die ins Márais Heimat Ungarn lange Zeit verboten waren und die doch zu den heimlichen Bestsellern des Landes zählten.

Sándor Márai
Die Glut
Piper, 223 Seiten.



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