20120621

Michael Scharang: "Charly Traktor" und "Harry"

1973 ist „Charly Traktor“ zum ersten Mal erschienen. Wenn man das Buch heute liest, hat man das Gefühl, in eine mitunter ganz fremd anmutende Welt einzutauchen.

Scharangs sozialkritischer Roman zeigt die Welt der Fabriken: Zugige Hallen, in denen schlechtbezahlte Arbeiter eintönige Akkordarbeit verrichten. Charly Traktor ist einer von ihnen. Der uneheliche Sohn einer steirischen Magd hat sich in die Stadt geflüchtet. Hier ist er zwar nicht mehr der Willkür der Bauern ausgeliefert. Seine Haut muss er dennoch zu Markte tragen: Sein Widerstand und Aufbegehren endet in einem sinnlosen Akt der Zerstörung: Charly hat keine Worte, um seine Gefühle auszudrücken. Er schlägt zu und entfremdet sich damit nicht nur seinen Kollegen, sondern auch seiner Freundin Elfi.

In „Harry“ geht Charlys Geschichte weiter: Harry ist Charly Traktors Sohn. Auch er entflieht der dörflichen Tristesse, seiner Mutter und ihren Träumen von einem besseren Leben. Er trifft auf den Mann, der seinen Vater literarisch zum Leben erweckt hat und erzählt ihm von seinem Werdegang, seinen Problemen und Hoffnungen.

Scharangs Romane sind in interessantes Stück österreichischer Zeitgeschichte: Momentaufnahmen einer Zeit, in der politisch „links“ zu sein für viele ganz etwas anderes bedeutete als heute.

Michael Scharang: "Charly Traktor" und "Harry"
Libro Classic, 182 Seiten.