20120621

Marlene Streeruwitz: Nachwelt.

Nachforschungen und Interviews für eine Biographie sind der offizielle Grund für Margarethe Doblingers Reise nach Los Angeles. Die Wienerin will über Anna Mahler, Gustav und Alma Mahlers einzige Tochter, schreiben. Doch eigentlich sollte der USA-Aufenthalt so etwas wie eine Liebesreise werden. Leider zerstört Margarethes Geliebter - gefangen in den Forderungen seiner Exfrau und seiner Stieftochter - den Traum von dem ersehnten Zweisamkeit. Also macht sich Margarethe alleine auf den Weg und ist in ihrem Appartement mit Swimmingpool erst einmal alles andere als glücklich. Die Interviews mit den Freunden und Schülern Annas ergeben viele, einander mitunter widersprechende Einzelbilder. Die Persönlichkeit Annas bleibt im Dunkeln. Auch Margarethes eigene Lebensbilanz fällt nicht gerade positiv aus: Ihre Liebesbeziehungen enden schmerzlich; auch der Job am Theater scheint kaum Perspektiven zu bieten. Der scheinbar einzige Pluspunkt im Leben der knapp Vierzigjährigen ist die Beziehung zu ihrer Tochter Friederike.

Ein überzeugendes Porträt einer Frau, die nicht nur mit der Welt, sondern auch mit sich selbst in Zwietracht lebt. Mit diesem Buch beweist Marlene Streeruwitz nach ihren beeindruckenden Bühnenerfolgen wiederum, dass sie auch in der Welt der Prosa gute Arbeit leisten kann.

Marlene Streeruwitz
Nachwelt.
S. Fischer, 398 Seiten.


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