20120621

Madeleine Bourdouxhe: Auf der Suche nach Marie

Madeleine Bourdouxhe: Auf der Suche nach Marie
Verlag Piper, 186 Seiten

Madeleine Bourdouxe konnte sich erst im hohen Alter über die Anerkennung ihrer Romane freuen. Nach dem Erfolg von „Gilles´ Frau“ erscheint nun ein zweites Buch der 1996 verstorbenen Autorin in deutscher Sprache. Ein Buch, das von Kritikern gerne mit Proust „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ verglichen wird. Beide Romane handeln von der Suche nach der eigenen Identität durch Erinnerung. Marie ist eine dreißigjährige glücklich verheiratete Pariserin, die sich ganz der Liebe zu ihrem Mann Jean verschrieben hat. Dennoch beginnt sie heimlich eine Liebesbeziehung zu einem schönen jungen Mann, den sie während einer Ferienreise am Meer kennenlernt. Das Zusammensein mit dem namenlosen Jüngling weckt ihn Marie Gefühle, die seit ihrer Jugend verschüttet waren. Plötzlich wird ihre Welt wieder wie neu - selbst Kleinigkeiten werden interessant und aufregend. Marie gewinnt neues Selbstvertrauen; sie befreit sich von langweiligen gesellschaftlichen Verpflichtungen, streift alleine durch die Straßen und Cafés von Paris und ist einfach glücklich.

Neben dem Erwachen Maries spiegelt Madeleine Bourdouxhes Buch auch die politische Entwicklung in dieser Zeit wider - die Drohung des zweiten Weltkrieges und die überall spürbare Verunsicherung der Menschen. Ein weises und zeitloses Buch mit allen Qualitäten eines richtigen Klassikers.

Bewertung: 10 Punkte (beste Bewertung: 10 Punkte)