20120621

Holger Schenk: Individuelle Lust

Holger Schenk setzt sich nicht nur psychologisch, sondern auch philosophisch und historisch mit dem Thema „Sexualität“ auseinander. Seine These: Sex wird mehr und mehr definiert, in Schubladen gepackt und damit letztendlich auch problematisiert. Die Individualität des einzelnen bleibt so auf der Strecke: Die Norm, wie eine „sexuell erfüllte Beziehung“ auszusehen hat, ist fest in den Köpfen der Menschen verwurzelt. Abweichungen von dieser Norm führen zu Verunsicherung und zum Gefühl, die Beziehung zum Partner sei schwer gestört, ja sogar zum Scheitern verurteilt.
Ein Trugschluss, meint Schenk: Denn das, was zwei Menschen gefällt und gut tut, kann wesentlich vom definierten Sexualverhalten der heutigen Zeit abweichen. Schenk wirft ungeniert etablierte Thesen zum Thema „Sexualität“ über den Haufen und ermuntert seine Leser, sich nicht im Käfig irgendwelcher Leistungsvorgaben oder sonstiger Normen gefangen halten zu lassen. Seine Überlegungen widersprechen vermutlich in vielen Punkten den Lehrmeinungen der auf die Behebung sexueller „Störungen“ spezialisierten Psychotherapie. Schenk sieht zuerst den Menschen und dann die angebliche Störung, die bei näherem Hinsehen vielleicht gar keine ist. Ein erfrischendes Buch, das so manche etablierte Lehrmeinung ganz schön verstaubt aussehen lässt.

Holger Schenk
Individuelle Lust
dtv, 175 Seiten.


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