20120621

Buchbesprechung: Luigi Malerba "König Ohnesorg"

Luigi Malerba hat den Geschichten um die Heimkehr des Odysseus nach Ithaka nie völlig getraut. Nach der Sage haben ihn sein alter Hund und die alte Amme rasch und trotz seiner Verkleidung erkannt. Seine Frau war aber offensichtlich nicht in der Lage, ihren Mann anhand seiner Gesten, seiner Sprache und seines ganzen Verhaltens wiederzuerkennen. Unsinn, meint Malerba! Natürlich hat sie gewußt, daß es sich nur um Odysseus handeln kann. Seine Erklärung für ihr Verhalten: Da ihr Mann sie nach all den langen Jahren der Einsamkeit auch noch auf die Probe stellen wollte, war sie dementsprechend sauer und hat ihn ihrerseits getestet!

Obwohl sich Luigi Malerba an die von Homer überlieferte Sage hält, ist seine Interpretation der Heimkehr des Odysseus doch vielschichtiger. Er läßt auch Penelope zu Wort kommen und aus ihrer Sicht wird Odysseus Verhalten in einem völlig anderen Kontext gezeigt. Er ist nicht mehr nur der listenreiche und strahlende Held, sondern auch ein mißtrauischer Ehemann, der seiner Frau auf den Zahn fühlen will. Solcherweise gedemütigt hat die Ehefrau nicht nur Freundliches im Sinn. Natürlich wird von der Sage selbst nichts ausgelassen. Odysseus trifft seinen Sohn Telemach, seinen alten Vater Laertes, die Freier der Penelope werden niedergemetzelt und es kommt zu einem Happy End. Und dennoch ist es irgendwie eine ganz andere Geschichte...

Fantasy-Faktor: 6 von 10 Punkten


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