20120621

Buchbesprechung: José Samarago "Alle Namen"

Als eine Mischung zwischen Thomas Bernhard und Gabriel Garcia Marquez hatte ein Kritiker den Literatur-Nobelpreisträger José Samarago einmal bezeichnet. Der Stil des portugiesischen Autors ist in der Tat ziemlich außergewöhnlich und beeindruckend, wie auch sein Buch „Alle Namen“ beweist.

In diesem Roman startet Samarago mit einer realistisch wirkenden Erzählung, um dann ins Märchenhafte und Ungewöhnliche zu wechseln. Ort des Geschehens ist das Zentrale Personenstandsregister. Hier werden alle Daten der Toten und der Lebenden erfasst. Die Archive und Karteikästen bestimmen das Leben des Amtsschreibers Sr. José, der sich nachts heimlich in den Amtsräumen herumtreibt. José ist ein leidenschaftlicher Biograf bekannter heimischer Persönlichkeiten und erforscht nächtens ihre genauen Lebens- und Sterbedaten. Wollen und Sollen stehen bei diesen verstohlenen Ausflügen in einem ständigen Konflikt. Als er versehentlich die Karteikarte einer völlig unbekannten Frau in seine Sammlung aufnimmt, gerät sein Seelenzustand völlig aus der Balance. Der Tod der Frau ist noch nicht der Endpunkt der Geschichte. Schließlich hat das Amt die Macht über die Lebenden und die Toten. Es kommt nur auf die richtige Karteikarte an...

Eine magische Geschichte, die der österreichischen, von Beamtentum und Bürokratie geprägten Seele zwar unwirklich, aber doch irgendwie vertraut erscheint.

Fantasy-Faktor: 7 von 10 Punkten

José Samarago
Alle Namen
Rowohlt, 314 Seiten.

Keywords: Buchbesprechung, Bücher, Buch, Fantasy, Rezension, Science Fiction


Weitere spannende Buchtipps finden Sie mit Hilfe Suchfunktion auf diesem Portal. Geben Sie einfach ein Stichwort, den Namen des Autors oder den Buchtitel ein!