20110920

Asylwerber in Österreich

Bei Ecowin erscheint das neue Buch von Susanne Scholl ALLEIN ZU HAUSE, das Asylwerber in Österreich porträtiert und über deren Lebens- und Leidensgeschichten berichtet. Angesichts der aktuellen politischen Berichte aktueller denn je ...

Zitat aus ORF ON: Faymann spricht von „gutem Tag“
"Die Regierung ist zufrieden: Angesichts zahlreicher Beschlüsse - darunter das Fremdenrechtspaket - sei das ein „guter Tag“, sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) nach dem Beschluss des Pakets im Ministerrat am Dienstag. Auch Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) sprach von einem „wichtigen Signal“.
Trotz heftiger Kritik von Opposition und Menschenrechtsorganisationen wurde das Fremdenrechtspaket - mit leichten Entschärfungen - beschlossen. Faymann zeigte sich von den neuen Regeln grundsätzlich überzeugt, das Ergebnis sei herzeigbar und in Ordnung. Auch Pröll meinte, dass er mit Kritik an einzelnen Punkten leben könne. Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) hatte überhaupt von einem „großen Reformwerk“ gesprochen. 


Susanne Scholl zu dem von der Regierung beschlossenen Fremdenrechtspaket:
"Wir leben in einem reichen Land, das sich alles leisten kann, das sich auch leisten kann, die ärmeren Mitmenschen zu unterstützen. In Österreich gibt es eine lange Tradition, Menschen in Not zu helfen. Dass unsere Regierung jetzt stolz darauf ist, Menschen in Not abzuweisen, dass die Regelungen für den Zuzug so verschärft werden, dass keiner mehr auf die Idee kommen soll, nach Österreich zu kommen und um Hilfe zu bitten, finde ich traurig."
Willkommen in Österreich?

Sie heißen Tahira oder Fahim, Nabim oder Leila. Sie kommen aus Aserbaidschan oder Nepal, Afghanistan oder Nigeria. Gemeinsam ist ihnen, dass sie auf der Flucht sind und Hilfe brauchen. Sie fliehen vor Mord und Totschlag, Folter und Sklaverei, Blutrache und Zwangsehe – und vor dem ganz alltäglichen Elend.

In Österreich aber werden sie mit Misstrauen empfangen, mit der allgegenwärtigen Unterstellung, sich etwas aneignen zu wollen, was ihnen gar nicht zusteht, zu lügen und zu betrügen und „uns“ etwas wegnehmen zu wollen. Ihre Anträge auf Asyl werden oft viele Jahre lang nicht bearbeitet.
Ihre Kinder wachsen als Österreicher auf – und sollen dann trotzdem eines Tages plötzlich das Land verlassen, weil sie angeblich eine Gefahr für Österreich sind.

Susanne Scholl ihrerseits hat einen guten Teil ihres Lebens außerhalb Österreichs verbracht. Vor einem Jahr kam sie zurück in ein Land, das sich ihr gegenüber sehr freundlich zeigte und sich doch als unverständlich kalt gegenüber Menschen in Not präsentierte. Davon handelt ihr neues Buch – und von den Lebensgeschichten der Menschen, die in Österreich Zuflucht suchen und so oft dafür bestraft werden.

Dr. Susanne Scholl
hat in Rom Slawistik studiert, das journalistische Handwerk in der Auslandsredaktion der Austria Presse Agentur gelernt und ab 1985 unter Paul Lendvai in der Osteuropa-Redaktion des ORF gearbeitet. Sie hat 1989 als ORF-Korrespondentin in Bonn das Ende der DDR miterlebt und danach von 1991 bis 2009 mit einer kurzen Unterbrechung aus Moskau berichtet. Seit 2009 lebt sie als freie Journalistin und Autorin in Wien. Susanne Scholl hat vier Sachbücher und drei Romane sowie einen Gedichtband veröffentlicht und mehrere Preise und Auszeichnungen für ihre journalistische Arbeit erhalten.

„Susanne Scholls Position war nie die eines abseits stehenden kühlen Beobachters, sie hat immer alles gemeinsam mit den Menschen erlebt.“ Irina Scherbakowa, russische Menschenrechtlerin, anlässlich der Verleihung des Concordia-Preises an Susanne Scholl

Quelle: Barbara Brunner